»Nichts ist wichtig. Dazu ist die Welt zu groß« Dies ist eine archivierte Version von IT&W aus den Jahren 2002 bis 2006. Das aktuelle IT&W findet sich hier.
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::: 21. Januar 2004

 :: Nineteen Eighty-Four (Teil 2)  Der Vater des Macintosh

pic picWas bisher geschah: der junge Steve Jobs hatte während des Aktionärsmeetings Anfang Januar 1984 dem großen Gegner IBM ordentlich eingeheizt [längerer Redeausschnitt mit Bob Dylan-Rezitation, QT-Audio]. Dann endlich durfte der Macintosh selbst zum ersten Mal seine Fans begrüßen: [QT-Audio] »Unaccustumed as I am to public speaking, I’d like to share with you a maxim I thought of the first time I met an IBM mainframe: never trust a computer you can’t lift!«

pic Der Macintosh - eigentlich als 500 Dollar-Spielkonsole namens »Annie« gedacht - war keineswegs die Erfindung Steve Jobs, wie die Legende es will. Der Macintosh ist das Baby von Jef Raskin, der schon seit 1979 mit einer kleinen Entwicklergruppe bei Apple arbeitete: »I wasn’t terribly interested in a game machine,” erinnerte sich Raskin später. »However, there was this thing that I’d been dreaming of for some time, which I called Macintosh. The biggest thing about it was that it would be designed from a human-factors perspective.« Raskin, Professor an der University of California und Entwickler bei Xerox PARC, entwarf seinen Macintosh - benannt nach seiner Lieblings-Apfelsorte - von Anfang an als netzwerkfähiges Kommunikationsinstrument: »Macintosh is a communications device.« Steve Jobs hatte zunächst das Macintosh-Projekt bekämpft, übernahm aber - als man ihn vom möglichen Erfolg des Produktes überzeugt hatte - 1981 die Leitung der Hardware- und später auch der Software-Entwicklung. Jef Raskin resignierte und zog sich zurück. Jobs benötigte noch zwei weitere Jahre, bis dann - bekanntlich 1984 - der Macintosh endlich vorgestellt wurde und während seiner Vorstellung auf offener Bühne die Wahrheit nicht wenig zurechtbog: »Right now I’d like to introduce a man who has been like a father to me, Steve Jobs.«

[Quicktime-Video] Kurz nach dem Launch des Macintosh verteilte Apple eine zehnteilige Videoserie als Hintergrundmaterial für die Fernsehstationen: diese Folge zeigt u.a. Bill Atkinson, Andy Hertzfeld und Chris Espinosa aus dem Macintosh-Entwicklerteam, natürlich auch Steve Jobs. Nicht aber Jef Raskin, den Erfinder des Macintosh. pic Zumindest in der Werbung für den Macintosh wurden die Entwickler fast wie Rockstars behandelt und waren sogar in der Macintosh-Promotion zu sehen, fotografiert von einem Künstler, der auch die Rockband Fleedwood Mac abgelichtet hatte. Die erste Systemsoftware, MacOS 1.1 , vorgestellt im Mai 1984, hatte etwa 200 kB, war schwarz-weiss, aber jeder OS X-Benutzer würde sich in Sekundenschnelle damit zurechtfinden. Alles, was einen Mac zu piceinem Mac macht, war bereits vorhanden: click&drag, die Pulldown-Menüs, die Einknopfmaus, die Icons von Susan Kare, der »Queen of Look & Feels«. Der Macintosh wurde allerdings erst zum Verkaufserfolg, als neue revolutionäre Programme wie MacPaint, MacWrite oder Multiplan (von Microsoft!) entwickelt wurden. Auch heute noch findet man viele Programme, die unter MacOS 7.01 oder später auf einem Original-Knubbelmac laufen.

Steve Jobs spielte bei der Entwicklung des Macintosh eine maßgebliche Rolle - der Urvater aber ist Jef Raskin. Und es bleibt wichtig zu notieren, daß die Geschichte stets von den Siegern geschrieben wird. 

Quelle: Making the Macintosh  |  by it&w |  9:25 Uhr  |  0x Senf , 304x besichtigt |   aus: Macintosh - Mac History   |   Permalink  |

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