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Aktion und Wirkung: SpOn zu Wikipedia [upd.] vom 06. Dez. 2004 aus "SpOn-Watch"

Nagut, so toll ist die vor drei Tagen gestartete Wikinews [wir berichteten] noch nicht. Aber wer wie Frank Patalong in Spiegel Online das Ganze unter die völlig abseitige Überschrift »Und noch ein Blog...« setzt, ein bißchen die »Heerscharen von Anwälten« beschwört und einen langen Riemen über die bereits nach drei Tagen quasi sichere Erfolglosigkeit der Wiki-Nachrichten schreibt, der zeigt vor allem eines: Nervosität und Wirkung. Bleiben Sie cool, Herr Patalong: warum sollte Wikinews etwas anderes sein als die anderen »99 Prozent Müll«, die Ihnen die Leser wegnehmen?

Andere etablierte Nachrichten-Sites sehen Wikinews durchaus gelassener und angstfreier: »Im Gegensatz zum Sammeln bereits vorhandener Nachrichten wollen die Betreiber, die sich in dem Open-Source-Forum Wikimedia Foundation zusammengefunden haben, überwiegend Originale einstellen. Also selbst recherchierte Exklusiv-Stories. Das engt zwar die Zahl der Nachrichten zumindest am Anfang ein, jedoch hofft der Initiator der Enzyklopädie, Jimmy Wales, dass sich das bald ändert. Wikinews wolle unabhängig und aktuell berichten. Schließlich habe Wikipedia auch bei Null angefangen.«, schreibt silicon.de.

Und Heise: »Wikinews ist im Experimentierstadium. Während sich die englische Ausgabe in ihrem Mission-Statement hauptsächlich die Ideale einer freien Nachrichtenquelle mit Zugang für jedermann formuliert, gibt sich die deutsche Sektion etwas vorsichtiger. Auf der Startseite schreiben die Macher: “Zur Kontinuität gehört in einem Wiki auch das Scheitern. Wir haben das Recht und die Möglichkeit, krude Ideen einfach auszuprobieren. Wenn sie schief gehen, tut es in der Regel nicht weh."«

Schade, wenn für den Online-Ableger des besten deutschen Nachrichtenmagazins der Weg zum Tellerrand aus Bequemlichkeit und Dünkel zu weit wird. Daß es auch ganz anders geht, zeigt gerade Le Monde.

Update: Mathias Schindler von »Wikinews« schreibt an einer Antwort an SpOn und bittet um kollaboratives Feedback. Ein Auszug: »"Noch ein Blog”: Angenommen, ich fange an, Spiegel-Online als dpa-Mülleimer zu bezeichnen, dann unterschlage ich zuerst, daß zwischen dpa und Spiegel-Online wohl nur vertragliche Beziehungen zur Lieferung von Content bestehen. Ich abstrahiere also die Eigenschaften von dpa und einem Mülleimer und postuliere eine Gemeinsamkeit, die einen Bezeichnungswechsel erlauben. Das Satireblatt Titanic macht das mit “Birne” und einem gewissen “Hessen-Hitler” so. Patalong bezeichnet ein Wiki als Blog. Das ist entweder ein rhetorischer Kunstgriff oder ein Hinweis darauf, daß jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Siehe Grundfertigkeit.«


bisschen Senf dazu?

von PaulH am 06. Dez um 15:58 Uhr

Naja, mal abgesehen davon das es sich bei Wikinews, wie es der Name schon sagt, um ein Wiki und nicht Blog handelt, scheinen die Damen und Herren Spiegelblogger wirklich langsam Angst zu bekommen. Aber warum diese durchdringende Abneigung gegen “Diese Nachfahren der Homepagebastler der Neunziger”? Eigentlich haben sie ja nichts zu befürchten wenn durch Blogs eh nur Müll produziert wird und sie ein Teil der 1%igen nichtmüllproduzierenden Nachrichtenelite in Deutschland sind. Aber abwarten die werden sich alle noch schön umsehen.

Ein Müllproduzent.


von Matthias am 06. Dez um 16:01 Uhr

Wie heißt es so schön: Einbildung ist auch eine Bildung.

Ich lese SpOn und die Papierausgabe trotz der “professionellen” Artikel nicht.


von Booga am 06. Dez um 16:14 Uhr

honecker soll ja seinerzeit gesagt haben: “wir müssen uns beeilen mit dem 1megabit-chip, sonst überholen uns noch die japaner”. hehehe… hey patalong, wenn dir ein parallelogram aufgeht, kannstes wieder zuklappen!


von Cartoonist in Brüssel am 06. Dez um 16:25 Uhr

Warum gefallen mir eigentlich grundsätzlich die Artikel eines besserwisserischen Herrn Patalong nicht? Das muß doch einen Grund haben…


von banane am 06. Dez um 16:33 Uhr

ich mag müll :-)


von Mathias Schindler am 06. Dez um 20:51 Uhr

Ich weise auch hier schonmal auf eine Antwort an Frank hin, die gerade im Entstehen begriffen ist. Freue mich herzlich über kollaboratives Feedback.


von gHack am 06. Dez um 23:25 Uhr

Patalongs Pessimismus hinsichtlich des transformativen Potentials alternativer Internet-News-Angebote kommt mir jedenfalls schon wieder unschick vor. Ein SpOn-Blog hätte ähnlich viel zu tun wie das Bild-Blog.


von Philipp am 07. Dez um 3:43 Uhr

"Angenommen, ich fange an, Spiegel-Online als dpa-Mülleimer zu bezeichnen”

Das halte ich nicht für besonders klug und hört sich so an wie: Du bist doof! - Nee, DU bist doof. Auch wenn man sich über solch unprofessionelle Kritik seitens SpOn nicht freuen kann, sollte man selbst umso sachlicher bleiben und zeigen, dass man souverän ist.

Auch Hitler kommt nicht so gut, finde ich. Da würde ich sofort die Schotten dicht machen; vor allem, wenn ich das Thema Konkurrenz aus dem Netz am liebsten innerlich wegblende.


von Mathias Schindler am 07. Dez um 3:57 Uhr

Hi Philipp: Dein Zitat ist ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, denn es geht nicht darum Spon als Mülleimer zu bezeichnen, sondern ein wenig Patalongsche Dialektik umzudrehen.

Im Übrigen verweise ich gerade nicht auf Schickelgruber.

Ansonsten bitte ich darum, den Gesamtkontext zu würdigen und danke für das feedback


von Philipp am 07. Dez um 10:09 Uhr

Hallo Matthias, ist klar, dass Du mit der Dialektik spielst. Ich wollte nur sagen, dass ich möglichst sachlich bleiben würde, denn das Thema ist auch so schon äußerst emotional und kontrovers belegt. Natürlich ist Deine Argumentation sprachlich vollkommen korrekt und nachvollziehbar.


von Knorkator am 07. Dez um 10:51 Uhr

Naja, mit den Anwälten hat er leider Recht. Nur dazu gehört nicht viel und man muß die Aasgeier ha nicht auch noch mit der Nase drauf stubsen :-(((


von Mathias Schindler am 07. Dez um 19:53 Uhr

Knorkator: Alles, was auch nur ansatzweise rechtlich problematisch ist, gehört angesprochen. Es ist unsinnig zu glauben, daß irgendeine latente Gefahr weggeht, wenn man nur die Augen schließt.


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